Esteban Martin. Ausgabe 01 · MMXXVI
KI-Sichtbarkeit: was GEO ehrlich leisten kann

KI-Sichtbarkeit: was GEO ehrlich leisten kann

GEO, kurz für Generative Engine Optimization, ist die Arbeit daran, in KI-Antworten zitiert zu werden. Ehrlich eingeordnet ist GEO ein Verstärker auf einem tragenden SEO-Fundament, kein eigener Kanal und kein Schalter. Wer KI-Sichtbarkeit als buchbares Paket angeboten bekommt, kauft eine Wahrscheinlichkeit.

Seit KI-Antworten über der Trefferliste stehen, wird daraus ein eigenes Produkt: Markup setzen, eine Textdatei anlegen, Absätze umstellen, Sichtbarkeit garantiert. Ich habe lange geglaubt, das sei vor allem eine Frage der Textform. Die Auswertungen sagen etwas anderes, und sie sagen auch, warum sich die Garantie nicht halten lässt. Wer nicht beurteilen kann, was er einkauft, kauft das Versprechen. Das habe ich schon einmal aufgeschrieben, am Fall einer Beraterin, die fürs Webdesign zahlte und nichts davon verstand.

Die stärksten Signale entstehen ausserhalb der eigenen Website

Ahrefs hat für 75'000 Marken ausgewertet, welche Signale mit der Sichtbarkeit in Googles KI-Antworten zusammenlaufen. Vorne stehen nicht die Backlinks, sondern schlichte Erwähnungen des Markennamens im offenen Web.

Der Abstand ist gross: 0,664 für Web-Erwähnungen gegenüber 0,218 für Backlinks. Ahrefs schreibt selbst dazu, dass Korrelation keine Kausalität ist und Erwähnungen auch ein Mass für Markengrösse sind. Genau das ist der Punkt: die Signale, die am stärksten mitlaufen, entstehen in fremden Artikeln, in Foren, in Videos, in Verzeichnissen. Also dort, wo niemand eine Zeile Code ändern kann. Ein Paket, das nur die eigene Seite anfasst, arbeitet an der schwächeren Hälfte.

Die Wirkung lässt sich wahrscheinlicher machen, nicht versprechen

Der zweite Grund liegt in der Messung. Antworten aus KI-Systemen sind personalisiert, die Modelle ändern sich ohne Ankündigung, und dieselbe Frage liefert an zwei Tagen zwei Quellenlisten. Sauber messen heisst deshalb: mehrfach fragen, über Wochen wiederholen, Mehrheiten bilden. Eine Garantie ist in dieser Mechanik nicht unterzubringen.

Was sich messen lässt, ist die Nachfrage. In der Schweiz nutzen laut einer repräsentativen Comparis-Umfrage 76,1 Prozent der Erwachsenen KI-Werkzeuge, über 40 Prozent davon ersetzen damit die Websuche. Das Publikum sitzt also schon dort. Wie viele Kunden am Ende über eine KI-Antwort hereinkommen, weiss für den Schweizer Markt niemand, eine solche Erhebung gibt es bisher nirgends. Diese Leerstelle füllt der Markt gerade mit Versprechen.

Der ehrliche Einwand lautet: dann ist die Technik egal

Wenn Erwähnungen so viel stärker mitlaufen, liesse sich die technische Arbeit sparen. Der Einwand trifft einen wahren Kern und zieht trotzdem die falsche Grenze.

Was als KI-Hebel verkauft wirdWas dazu gemessen ist
Schema-Markup bringt Zitate in KI-AntwortenKontrollstudie über 1'885 Seiten: 4,6 Prozent weniger Zitate statt mehr
Eine llms.txt macht die Seite für KI lesbar97 Prozent dieser Dateien wurden im Messmonat kein einziges Mal abgerufen
Backlinks sind der Hebel für KI-Sichtbarkeitin derselben Auswertung der schwächste der geprüften Zusammenhänge

Technik zählt weiter, nur an einer anderen Stelle. Eine Seite, die Suchbots aussperrt oder ihre Inhalte erst im Browser zusammenbaut, steht gar nicht erst im Kandidatenpool. Technik ist die Eintrittskarte. Verstärkt wird danach, und zwar ausserhalb.

Das gilt nicht für jeden Betrieb

Wer seine Aufträge über Empfehlung und Google Maps holt, hat einen anderen ersten Hebel: dort entscheiden Nähe, Profil und Bewertungen, nicht die Zitierfähigkeit eines Absatzes. Und eine junge Marke, die in den Systemen bisher gar nicht vorkommt, holt das nicht mit Textarbeit auf, sondern nur über eine Nische, die eng genug ist, dass sie dort überhaupt auftaucht.

Praktisch heisst das: zuerst nachsehen, wo die eigene Marke ausserhalb der eigenen Seite auftaucht. Dann entscheiden, wo Erwähnungen entstehen könnten, die es ohne eigenes Zutun nicht gäbe. Der Text auf der eigenen Seite kommt danach, und er kommt trotzdem, denn er liefert die Passage, die zitiert wird.

Der Fünf-Minuten-Check vor jedem GEO-Angebot

  • Einen Chatbot nach der eigenen Firma fragen und lesen, was er sagt, nicht ob er antwortet.
  • Den Firmennamen suchen und die eigene Domain ausblenden: wer erwähnt die Marke sonst?
  • Nachsehen, ob die Seite ohne JavaScript lesbar ist und keine Suchbots ausgesperrt sind.
Drei Prüfungen, für die niemand ein Angebot braucht.

Wer diese drei Antworten hat, erkennt in zwei Minuten, ob ein Angebot einen Verstärker verkauft oder ein Versprechen.

Machen Sie den Fünf-Minuten-Check oben, bevor Sie ein GEO-Angebot vergleichen: was ich beim eigenen Aufbau messe, liegt mitsamt Zahlen offen.

Wie ich Sichtbarkeit öffentlich aufbaue
Esteban Martin
Esteban Martin

20 Jahre, St. Gallen. Maturaweg an der ISME, parallel Aufbau von SIGNEX, KI im KMU-Alltag. Schreibt über Werkzeug, Wirtschaft und Lernen. Mehr über mich →